Wem Glück gebührt…

Während ich letztens, vor den in Fetzen liegenden Trümmern meines vermeintlichen Lottogewinns stehend, leidvoll feststellen musste, dass ich mit unfassbarer Sicherheit von möglichen 6 aus 49 ausgerechnet die Zahlen auswähle, welche ganz bestimmt nicht gewinnen und ich mir anschließend in unsäglicher Enttäuschung darüber den Kragen hochstellte, um dann ein wenig trotzig durch den – mindestens genauso trotzigen und darüber hinaus noch gemein-arschkalten – Herbstregen zu schlurfen, kam mir der Gedanke, dass die einzige, wirklich einzige blöde Sache, bei der mir das holde Glück immer wieder – treudoof witzelnd – zur Seite steht, etwas ganz banales, völlig unbrauchbares und unglaublich wertloses ist:

Der Schneedienst.

Beziehungsweise: Die Vermeidung desselben.

Und tatsächlich: Kurz bevor der Vermieter den jährlichen Rundbrief an uns Mieter verschickt, denke ich noch „Weltenlenker, es wird Herbst, hoffentlich habe ich kein Schneedienst“. Und was soll ich sagen? Entweder ich werde für vermeintlich schneefreie Monate (Oktober, November, April) eingeteilt, oder – und das ist das eigentlich verrückte – genau zu meiner Einteilung schmilzt der vermaledeite Schnee oder – auch recht häufig – es hört zur Vorwoche auf und fängt nach meiner Schneewoche – zum allergrößten Verdruss meiner hochwohlgeborenen Nachbarin – wieder an zu schneien.

Wie man es dreht: Ich bin ein Glückspilz. Ein verdammter Glückspilz.

Fundsache!

Normalerweise finde ich nichts. Und ja, ich verlöre alles Erdenkliche, hätte ich keine geeignete Gegenstrategie. Mein todsicheres Abwehrsystem zur Vermeidung unangenehmer Verlustsituationen ist das körpernahe Verstauen der unverzichtbarsten Dinge. Daraus ergibt sich das beinahe selbstverständliche Abklopfritual, wenn ich einen Raum dauerhaft verlasse. Sieht zwar mörder-dämlich aus, ist aber – wie bereits erwähnt – todsicher.

Umso unverzeihlicher ist meine Reaktion, wenn andere was verlieren. Dabei reagiere ich willkürlich mit Hohn, Spott, und – mit mehr oder weniger – rücksichtsloser Klugscheißerei. Doch was macht man, wenn jemand etwas liegen lassen hat, was man unmöglich einfach nur so verlieren kann, und dieser jemand – zum allergrößten Verdruss meinerseits – nicht mehr Anwesend ist? Zu gerne ich hätte ich nämlich mein Abklopfritual vorgeführt…

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Verschlusssache!

Ohne Frage: Der Biergarten ist im Sommer mein liebster Platz. Gemütlich, mit guten Freunden, halbguten Bekannten, eventuell sogar mit völlig fremden, aber netten, Menschen zusammenzukommen, kann eine tolle Sache sein, solange sie einem nicht zu nahe kommen.

Zum kreischen dankbar bin ich ebenfalls über meine herzallerliebste Blase, die mich, trotz steter Zufuhr verschiedenster Köstlichkeiten, mit allzu häufigen Entleerungsgesuchen verschont. Ab und an muss ich dann doch nachgeben.

Häufig ist der Abend dann schon fortgeschritten, und in mir leuchten Warnmeldungen auf, die mir freundlich deuten, dass ich gefälligst auf Zielübungen und andere artistische Einlagen am Pissoir verzichten soll. Die sitzende Position ist zudem einfach lässiger.

Lange Rede, wenig Sinn: Man verrichtet sein Geschäft, freut sich dieses ToDo abhaken zu können und will flötend aus einer gekachelten, zweieinhalb Quadratmeter kleinen Kabine, ohne Lüftungsschlitze und mit bunkerartigem Flair, heraus. Geht aber nicht. Die Tür lässt sich nicht aufschließen. Das Spiel ist aus.

Hat man in solchen Fällen sein Handy dabei? Nein. Hört der gute Freund flüchtige Bekannte, der im Nachbarbunker war und an der verschlossenen Tür vorbeigeht, sich zwar löblicherweise die Hände wäscht, aber sich anscheinend einen Scheiß um den Rest der Welt kümmert, meine Rufe? Hört er sie? Vielleicht mein Klopfen? Nein.

10 Minuten später, die fehlenden Lüftungsschlitze machen sich im gekachelten Betonkäfig langsam bemerkbar, kommt endlich ein Geschlechtsgenosse, der mein Geklopfe nicht überhört:

„Hallo?“
„Äh…ja?“
„Ähm…ich bin hier eingeschlossen. Könnten Sie jemanden vom Personal bescheid sagen?“
„Ja klar. Ist es Ihnen recht, wenn ich noch vorher auf Toilette gehe?“
„Naja…“
(90 Sekunden später) „Ich sag‘ dann kurz bescheid….“

Ich wurde nach weiteren 10 Minuten im Fliesenknast leicht nervös und nahm den zweiten Gast mit ähnlicher, nun mit angemessener Verzweiflung vorgetragene, Ansprache in die Pflicht. Der handelte prompt und kam mit jemanden vom Personal: Beide beschlossen nach kurzer Prüfung der Sachlage, dass die Tür defekt sei und umgehend eingetreten gehört. Selbstverständlich. Männer sind halt Macher.

Die Scharniere waren übrigens so angebracht, dass die Tür sich im Idealfall nur nach Innen öffnet.

Tage gibt’s….

Unityblödia.

Unitymedia wirbt neuerdings mit den Schlagworten „Wowload“, anstatt Download, und „Gernsehen“, anstelle von „Fernsehen“. Was wohl lustig, clever und irgendwie – zielgruppen gerecht – Hipp klingen soll, ist letztendlich und lediglich der geballte Unfug der heutigen Werbeindustrie, die Ihren Kunden ebenfalls erfolgreich hirnrissige Sprüche wie „Geiz ist geil!“, „Ich bin doch nicht Blöd“ und „Millionen fangen an!“ aufschwatzt und dadurch Millionenumsätze feiert.

Ich persönlich stelle mir diese Werbefachleute ja so vor, wie diese schmierigen Vertriebstypen. Die die eigenen Produkte bestenfalls mangelhaft kennen, aber ein extrem gesteigertes Interesse darin haben davon zu reden, als seien sie damit der Lösung aller Probleme auf dieser Welt entscheidend näher gekommen.

So ist es heutzutage kaum ein wunder, dass so viele vom Web 2.0 reden, und glaubhaft vermitteln den Release der dritten Version kaum noch erwarten zu können. Hierin, also in der Erwartung das noch etwas viel besseres kommen muss, sind wir uns einig. Ich stimme jedenfalls zu. Das gilt für die Werbung, wie auch für diese, aus gleichem Genmaterial erschaffenen, Vertriebsdrohnen.

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