Übrigens, Lieber Olaf,

freue ich mich wie Bolle darüber, dass Du zum Bundeskanzler gewählt wurdest. Sagt Deine Wahl doch vieles über die Leute aus, deren Nation Du nun vertreten darfst. Wenn jemand BÜROKRATIE schreit, dann ja schließlich Du. Deine Art, halb-nuschelig in Dich hineinzureden, anstelle eine verständliche und eine halbwegs selbstbewusste Ansprache zu pflegen, ist dabei nur leicht nervig. Man versteht Dich halt kaum, wenn du Dir während der Bundespressekonferenz etwas in den imaginären Bart murmelst.

Aber das alles ist ja nicht Deine Schuld. Du machst, was Du machst. Ganz Deiner Natur, irgendwo an der Grenze schlummernd zur Lethargie, definitiv aber in der verschworenen Absicht den eigenen hausstaub’esken Esprit mit schildkrötenhafter Wucht der Ganzen Welt entgegen zu schleudern – davon ausgehend das Schildkröten überhaupt ein Sinn für das Schleudern im Allgemeinen haben, das ist aber ein anderes Thema und sollte hier nicht weiter stören, machst Du was Du am besten kannst: Am liebsten wenig. Wenn schon, dann aber möglichst unauffällig. Auf Fragen nur Antworten gebend, die einen selbst gefallen, selbst dann, wenn Sie offensichtlich nicht zu Frage passen.

Deine Ganze quarktaschenartige Persönlichkeit beiseite, möchte ich Dir von Herzen Dank sagen: Danke, Olaf! Du zeigst der Welt, das die Deutschen offenbar Menschen wie Dich wählen können – und es verteufelt nochmal machen, wenn man sie provoziert. Denn: Es ist Beobachtern anderer Demokratien nur schwer zu erklären, wie so ein Schnarchsäckle Regierungsoberhaupt werden konnte, während woanders zeitgemäß die ganz lauten Doofmänner und Frauen, im Falle von UK sogar Zwitterwesen aus Mensch und Affe, siegreich von Dannen ziehen.

Irgendwie ist es es doch ganz lustig hier in Germany. Oder, Olaf?

Der Höflichkeits-Overkill!

Dieser Autor bietet neben einer eingeübten tapsig-blöden Schusseligkeit, und einer teilweise erschreckenden Dämlichkeit, noch das menschliche Feature, grundlos und floskelhaft, freundlich zu sein. So erwidert er ohne jedes Zögern auf ein „bitte, ein „danke“, auf ein „danke“, ein „bitte“, auf eine Frage ein „Ja, bitte!, oder eben „Nein, danke!“ und so weiter und so fort. Natürlich fehlt eine, der Tageszeit angemessene, Begrüßung und eine entsprechende Verabschiedung niemals. „Einen schönen Abend noch“. Das „schön“ wird ab und zu mit „wunderschön“ ausgetauscht. Je nach Laune und je nachdem der Adressat ebenfalls in der Anwendung seelenloser Floskeln bemüht war. Die Einhaltung dieser Floskeln wird ständig überwacht und schärfstens gewertet. So wird vom Autoren auf ein geheucheltes „Gesundheit“ ein „danke“ ewartet, nur damit diese Konversation mit „bitte“ folgerichtig abgeschlossen werden kann. Ein nicht beachten dieser Regeln wird mit stillem Entsetzen scharf gekontert. Übrigens wie auch das laute Niesen selbst. Man niest schließlich still und kaum merkbar. Alles andere ist ein grotesker Kontrollverlust. Jedenfalls in den Augen des Autoren dieser Zeilen.

Heute kam es zum unwahrscheinlichen Fall, daß dieser Autor auf jemanden stößt, der es mit solchen Dingen ähnlich ernst nimmt. Die gute Frau stand hinterm Tresen einer Brötchenbackwerkstatt. Folgend der Dialog:

Sie: „Guten Tag“
Autor: „Danke. Einen schönen guten Tag, auch!“
Sie: „Was hätten Sie denn gerne?“
Autor: „Ich hätte gerne zwei Brötchen“…
Sie: „Gerne!“
Autor: „…möglichst hell, bitte!“
Sie: „Gerne!“ [Tütet sorgfältig die Brötchen ein…]
Sie: „Bitte!“
Autor: „Danke!“
Sie: „Darf es sonst noch etwas sein?“
Autor: [Kurzes imitiertes Nachdenken] „Das war schon alles! Danke!“
Sie: „Bitte. Das mach dann 56 Cent.“
Autor: [Friemelt Kleingeld raus] „Gerne“….“Bitteschön!“
Sie: „Dankeschön“
Sie: „Einen schönen Abend noch!“
Autor: „Ebenfalls einen wunderschönen Abend.“
Sie: „Danke“.
Autor: „Bitte!“.

Da dieser Autor im Ruhrgebiet sein Refugium hat, ist es beinahe unnötig zu erwähnen, das mittelschweres Kopfschütteln anderer Kunden diese kurze Unterhaltung still begleitete.

Das alles erinnert diesen Autoren auch daran, wie er letztens sein Karma aufzubessern versuchte, indem er stillschweigend eine ängstliche und offensichtlich uralte Frau auf die Rolltreppe half und nach unten begleitete. Das Gefühl, die alte Dame sei nur zu höflich um den Irrtum des Autoren aufzulösen, hielt den ganzen Tag. Hartnäckigst. Doch das ist eine andere Geschichte….

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