Franz-Josef!

Himmel Herrgott Sakrament! Da habe ich letztens noch eine dankbare Lobhudelei auf die werte Glücksgöttin gehalten, da fährt mir – einen Tag später – der selbst erklärte Hausmeister beim plötzlichen Schneefall, kurz nach acht Uhr morgens, aufgebracht in die alltägliche Parade.

Zwei Dinge sind mir dabei schlussendlich klar geworden. Erstens: Das Glück ist eine fiese und fette Hure. Zweitens: Das Mieter, die offensichtlich viel zuviel Zeit, dabei viel zu wenig Geduld, allerdings ein übersteigertes Pflichtgefühl, keinerlei Scham anderen auf den Sack zu gehen und überhaupt kein Verständnis dafür haben, das nicht jeder ab Oktober in jeder Nacht einmal in der Stunde aufsteht um festzustellen ob es schneit, und wenn ja, nicht jeder dann sofort im Defcon-5-Modus strammsteht, sich in den Schneekampfanzug schießt, um anschließend den scheiß Neuschnee pünktlich vom Gehweg zu räumen, auf mich nicht sonderlich sympathisch wirken. Dabei ist es ja gefressen, dass wenn es über Tage hinweg schneit, man mal frühzeitig einen Blick riskiert. Aber bei dem ersten Schnee des Jahres?

NEIN! Nicht so bei Franz-Josef! Er schellt um kurz nach acht Sturm, wenn andere gerade unter der Dusche stehen, um sich für den Arbeitstag vorzubereiten. Er macht einen Heidenpalaver vor dem Haus, ruft Zeter und Mordio, schimpft das es nur so splattatert, nur um dann alles selbst fertig zu machen und dann mir, wie eine beleidigte Leberwurst, davon zu erzählen, dass er das schon seit 12 Jahren so macht.

Auf meine Frage, warum er das denn genau so macht, und nicht einfach mal abwarte, eskalierte das Ganze nur unschön. Kurzum: Ich darf nun seinen Besen nicht mehr benutzen. Auch hat er mein Klingelschild abgekratzt, dass er bei meinem Einzug unbedingt hat machen wollen. Zum nahegelegenen Kiosk kann ich nun auch nicht mehr. Der Kiosk liegt nämlich ganztägig im Fanz-Josef-Land. Ganz in der nähe von Kümmerlinghausen.

Das Leben ist gemein.

Shit happens.

Woran erkennt man, dass die letzten Tage weniger erfolgreich, zuweilen sogar echt beschissen, ins Land zogen? Nun, vielleicht daran, dass man sich dabei ertappt einer Discovery-Channel-Doku über Drogensüchtige zuzusehen, in der aus Gründen der Wissenschaft den anwesenden Polytoxikomanen ihre Lieblingsdroge frei Haus serviert wird, anschließend wirklich witzige Experimente durchgeführt werden, und man Minute für Minute eifersüchtiger auf diese glücklichen Penner wird? Oder eventuell daran das ein heimlich-diffuses Neidgefühl aufkommt, während man – ebenfalls auf Discovery – die spröden Paarungsrituale hundsgemeiner Menschenaffen beobachtet? Das Konzept „die dickere Keule hat immer Recht“ im Kopf abspult, leicht linkisch nach einen armdicken Ast Ausschau haltend, kurz das für und wieder abwägt und sich – geben wir es doch mal ganz offen zu – für diesen kurzen und mehr als zweifelhaften Spaß schlichtweg zu gut ist?

Nein. Man kann es aber unter Umständen erahnen. Etwa wenn man von einem, mindestens tausend Jahre, alten Mann grundlos angeschrien wird, dass man – herrgottsakrament – seinen bewegungsunfähigen Leib aus dem Weg räumen soll. Man folgerichtig Lautstark zurückblafft und sich langsam ein wütend gebrüllter Dialog entwickelt, wobei erst im Weggang des verwirrten Opas klar wird, dass er Taub wie eine Nuß war.

Oder daran, dass man – voller Inbrunst tanzend – sich langsam aber sicher echauffiert, dass die Leute auf der Tanzfläche mit dem elenden Herumgestehe die feinst-geplante Choreographie versauen, bis man merkt, dass die Musik längst abgeschaltet wurde, und die Leute nicht herumstehen, sondern lediglich darauf warten das man endlich nach Hause geht.

Letztendlich aber merkt man es daran, dass man in der Lage ist drei (!!!) Mal an einem einzigen Wochenende in den Supermarkt zu hasten, sich freiwillig den dortigen Stress aussetzen kann, logischerweise wild gestikulierend mit Kunden streitet, es aber trotzdem kein einziges Mal schafft, an das blöde Klopapier zu denken.

Manchmal läuft es echt nicht gut.

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