Misanthropie? Gerne!

Man kann gegen alles und jeden sein. Bin ich auch. Es ist deshalb auch schwer, mir nicht unglaublich auf den Keks zu gehen. Dazu reichen oft schon die ersten Sekunden einer Begegnung. Dabei ist es mir egal in welcher Gestalt man mir gegenüber tritt. Ob hübsch oder hässlich. Schwarz oder Weiß. Dünn oder dick. Alle gleich doof. In der Regel entspannt sich das wieder, und alles ist halb so schlimm, hier aber fünf No-Go-Situationen:

Situation 1: Das handlungsarme Ansprechen in der Kassenschlange.

Es gibt Menschen, die können einfach nicht die Klappe halten. Empfinden das Schweigen, also eine – wegen mir – temporäre verbale Enthaltsamkeit, als Qual und quatschen lieber den, mit einem Kopfhörer verkabelten, vertüddelten Mann an, der so aussieht, als läge sein heutiger erster Kaffee noch in weiter Ferne. Besonders schlimm wirds, wenn jene Situation mit der folgenden kollidiert.

Situation 2: Austausch von rassistisch motivierten Ressentiments.

Oft fangen derartige zweifelhafte Begegnungen mit der Einleitung „aber gegen Ausländer darf man heutzutage ja nichts mehr sagen“ an. Da ich oft den Fehler mache, mich für puren Unsinn zu begeistern, frage ich natürlich zurück: „Oh…was möchten Sie denn gegen Ausländer sagen?“. Nie bekomme ich eine Antwort. Mittlerweile denke ich, das oben beschriebe Aussage eher ein Platzhalter ist. Man könne sich ja vorstellen, was nun folgen könnte, täte man sich zu einer Einlassung herab. Insofern ist die Beantwortung meiner Frage niemals wirklich sinnvoll. Selbst die Frage an sich nicht.

Situation 3: Der Tanzbereich.

Ehrlich: Nichts gegen Körperkontakt. Ich habe nur eine seltsame Marotte: Ich möchte selbst entscheiden, wer mich anfasst, mit wem ich Körperkontakt aufnehmen möchte, und werde bei dieser Entscheidung nur äußerst ungern übergangen. Dabei hilft es auch nicht, wenn der Gegenpart sich besonders hübsch fühlt. Herumgetatsche kann so schnell zum Herumgeschupse ausarten.

Situation 4: Die gedankenlose Herde.

Oft fassungslos erlebt: Der Bus fährt die Haltestelle an, ich würde gerne aussteigen, aber ein dutzend anderer, geistig offenbar nicht zurechnungsfähige, Vollpfosten wollen rein und stellen sich vor die Bustür. Klar ein purer Interessenkonflikt. Oft ensteht so eine erbärmliche Patt-Sitatuion, aus der ich selten – ohne Situation 3 zu provozieren – herauskomme. Auch wird die Frage „Und? Wie lösen wir jetzt das Problem?“, seltenst mit einer kompetenten Antwort gewürdigt. Eher grunzt die Menge zurück und eine schmale Gasse tut sich spürbar widerwillig auf. Manchmal. An guten Tagen.

Situation 5: Politik & Arbeit.

Arbeitskollegen sind Menschen, die in eine schlimmere Kategorie fallen, als die eigenen Verwandten. Letztere kann man ignorieren, wenn man sie kaum ertragen kann. Mit den lieben Kollegen aber, die ich mir ebensowenig aussuchen kann, muss ich irgendwie umgehen. Ob ich will oder nicht. Mobbing hilft da auch nicht. Jedenfalls kurzfristig nicht. Irgendwann fängt der eine oder andere das Quatschen an. Manchmal geht es um Politik, und manchmal hat sich der eine oder andere nicht im Griff:

Er: „Was heute fehlt, ist das einer mal richtig durchgreift.“
Ich: „Wie? Äh..warum?“
Er: „Naja..heutzutage kommen die Politiker doch zu keiner Entscheidung, da muss man einfach mal durchgreifen, und einfach mal was machen, nicht immer diese blöden Diskussionen, doofe Demokratie!“
Ich: „Gabs doch schon. War scheiße!“
Er: „Wieso?“
Ich: „Adolf! Walter! Erich!“
Er: „Was?“
Ich: „Ich meine, der Addi. Der hat auch durchgegriffen, anstatt zu diskutieren!“
Er: „Ja nicht so!“
Ich: „Wie denn?“
Er: „Naja…die sind halt alle gescheitert!“
Ich: „Und DAS findest Du daran doof?“
Er: „Im Prinzip schon.“
Ich: „…“

Wenn nur noch Batman helfen kann.

Man könnte sich echauffieren. Dan ganzen Tag. Über alte, junge, dicke und dünne. Man könnte, während man zetert, dabei erbrechend das Quellobjekt der Unvernuft, der Bräsigkeit, und oder banalen, mächtig saudummen, Hirnrissigkeit schütteln. Den ganzen lieben langen Tag lang. Gerne auch aus nichtigem Anlass.

Dann taucht wieder ein Irrer auf, und meint es sei eine gute Idee andere Menschen, aus welchen Gründen auch immer, abzuschlachten. Dieses mal tauchte der Irre in Norwegen auf. Die Welt hält kurz inne, bemerkt beiläufig das einer Frau Winehouse das Leben entfläuchte, und dreht sich leicht irritiert weiter. Allerdings nicht ohne sich zu fragen, was man denn jetzt damit machen soll. Mit dieser verschrobenen Realität.

Selbstverständlich wird von pfiffigen Kommentatoren einiger öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen, lässigst jovial, unfreiwillig – aber deshalb nicht minder behämmert – darauf hingewiesen das Computerspiele, in welchen „auf Aliens geschossen“ wird, ein prima Einstieg sein können um so eine Situation, wie die norwegische nämlich, zu kommentieren. Das man dabei ebenfalls würgt, und – notfalls irgendwen – schütteln möchte, ist nur normal, und keinesfalls ein Zeichen gesteigerter Aggressivität. Hoffe ich.

Herr Uhl, seines Zeichens der innenpolitische Sprecher der Union und wahnsinnig gerne „näher am Menschen“, ist allerdings ein Kandidat, der schon morgens ganz speziell eine kräftige und ausgiebige Schüttelung verdient hätte. Für Herrn Uhl ist es, anlässlich des norwegischen Blutbades, natürlich vollständig klar, daß „diese Tat in Wahrheit im Internet geboren“ wurde und das eben dort, im Internet, „große Straftaten permanent“ stattfinden. Außerdem, so Uhl weiter, müsste der „ideologischen Aufrüstung, im Internet, unter Extremisten“ irgendwie Einhalt geboten werden. Faselt dann weiter etwas von „Nürnberg 2.0“, was man merkwürdig finden könnte, und zetert fort, daß das Internet dringend „überwacht“ werden muss. Wie ein überwachtes Internet, derartige Gestalten, wie diesen rechtsradikalen Norweger, davon abhalten soll ein Blutbad anzurichten, wo er sich doch gerade erst eine Waffe zugelegt, und seine Schußtechnik im hiesigen Schützenverein perfektioniert hat, sagt uns Herr Uhl freilich nicht. Wie immer.

DRadio: Interview mit Dr. Hans-Peter Uhl

Der Herr Doktor, der immer wieder mal für gute Ideen die ranzige Rübe hinhält, könnte sich gut und gerne mit der brillianten Polizeigewerkschaft – beispielweise beim Bier im Schützenvereinsheim – zusammentun und das Internet direkt zerstören, oder die finale Zerstörung planen. Zu mindestens aber die „Cyber Cops“ rufen, oder: Batman. Genau:

Batman.

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