„Ich bin alt!“

Recht hat er. Der Lanz, der Markus. Er ist, trotz aller Kantenlosigkeit und der erbarmungslosen Harmlosigkeit eines Säuglings, wirklich alt. So um die 43. Das stellt er gleich zu Beginn seiner Debütsendung klar. „Ich habe das alles nicht gewollt.“, stellt er ebenfalls direkt zu Beginn der Sendung fest. Wenn es nicht klappt, es also erwartungsgemäß in die Anzughose geht, könne man sich ja einfach „einen schönen Abend machen“. Soweit zum Start dieser, wahrscheinlich nicht letzten, „Wetten das…???“-Folge. Soweit zu der Erwartungshaltung des Moderatoren.


Altbackenheit als Konzept

Es kommt so, wie es kommen musste: Das altbackende Sendungskonzept, mit biederer Moderation, Gäste die noch steifer als üblich wirkten, hat sich auch über Gottschalks Weggang erhalten. Gags, die nicht lustig sind, weil die Protagonisten kein Gefühl für den Witz haben, werden, deutscher Erbarmungslosigkeit folgend, sofort von Beginn an auf das bemitleidenswerte Publikum abgefeuert. Klitschko, Elstner und die dauerunlustige „Cindy aus Marzahn“ durften das Niveau bereits zu Anfang an auf eine kaum wahrnehmbare Existenzbasis zementieren. Dicke sind wohl nicht zwingend lustig.

Das inhaltsleere Gequatsche mit der Gästekompanie, wobei im Verlauf der Show beinahe jedes Klischee abgefangen wurde, zog sich durch die Sendung, wie Kaugummi unter der Sohle beim sonntäglichen Spaziergang durch die Innenstadt. Lanz beispielsweise zu Lagerfeld, der bis zum Ende nicht verstanden hatte was man von ihm wollte: „Was war Ihr letzter großer Spaß?“, Lagerfeld zurück: „Ich habe jeden Tag Spaß“. Hoch interessant. Lanz zu Sylvie van der Vaart: „Was waren Sie zuerst? Erst Moderatorin oder Spielerfrau?“. Die mega aufregende Antwort der hübschen Fußballergattin erspare ich mir.

Das man nicht vom Hocker gehauen wurde, war nicht unbedingt die Schuld des neuen Moderatoren. Vielmehr wurden die Konzeptionsmängel der Verantwortlichen auch dem letzten Zuschauer offenbar, welche, anstatt den Reboot als Ideenplattform zu nutzen und mal Innovation zu wagen, lieber auf das Sendungskonzept aus dem Jahr 1982 vertrauen. Gottschalk hatte dem nur seine freie Schnauze punktuell entgegenzusetzen. Was nach mehreren Dekaden des biederen und spaßfreien Darbens auch nicht mehr so recht wirkte.


Die Wetten

Aktionsreich war „Wetten dass…“ in der Vergangenheit niemals. Als mal – beinahe aus Versehen – Aktion aufkam, verunglückte prompt der Protagonist, was zum Reboot führte. Als hätte man entschieden, nun bloß kein Spektakel mehr zu Veranstalten, gluckerten die Wettereignisse harmlos vor sich hin: Slacklining, ein junger und nicht unsympathischer Nerd der sich extrem gut S-Bahn Fahrpläne merken konnte, ein vom Ruder-Achter gezogener Wakeboarder, zwischendurch eingeschobenes Bierkistenstemmen, eine Hundehaargrabscherin, ein Traktor und einen an den Ohren verdrahteter.

Alles hübsch bieder und ohne jede Hektik, dabei auch ohne jede Aufregung und – das ist für eine Samstagabendshow letztendlich ausschlaggebend – ohne jede Spannung. Die Spannungsspitze sollten Nackte in Düsseldorf bilden, die das Fortuna Düsseldorf Vereinslogo, bemalt und eben nackt, darstellen sollten. Wenigstens durfte man blanke Brüste sehen. Wem es gefällt.


Fazit

Die Sendung war erwartungsgemäß keine Wiedererweckung des Showkonzepts. Anstatt neue Ideen einzubringen, setzte man auf hoffnungslos veraltete und biedere Unterhaltung aus dem öffentlich-rechtlichen Haus. Vergeben ist die Chance auf ein Neustart, stattdessen lautet das Motto „weiter so“. Wahrscheinlich bis zum Untergang. Diese mentale Einstellung ist dem Deutschen ja nicht fremd.

Lanz kann da allerdings nichts für. Er hat seinen Job gut gemacht, sofern es hier ein „gut gemacht“ geben kann. Er war weder frech, noch hat er brutal daneben gelegen. Allerdings hat er auch keine Highlights gesetzt, doch das darf man von Lanz nicht erwarten. Er ist damit quasi der Insolvenzverwalter einer sterbenden Show, die noch einmal reanimiert wurde, nur um nochmal Abschied zu nehmen.

Damit tut man allerdings, so munkelt man, weder dem Patienten, noch den Angehörigen, einen Gefallen. Die Frage „wann man endlich den Stecker zieht“ stellt sich, spätestens seit heute Abend, den Verantwortlichen. Gerne zögert man dabei, gerade wenn es sich um den lieben alten Opa handelt, den man so lange erleben durfte.

Herzliches Beileid. Jetzt schoneinmal.

Das Protokoll der Biederkeit!

Wetten dass „Wetten dass…?“ keine 30 Jahre mehr durchhält?

Obwohl. Wartet. Nein! Das Sendungskonzept muss einfach überzeugen. Die heutige Knaller Show hatte mindestens einen grandiosen Mittelpunkt. Äh. Ausschnitt. Das entzückende Dekolleté der Frau Hunzicker war unschlagbar, und gerade dazu befähigt rüpelhaft geneigte Beobachter, zufällig in meiner passiv-aggressiven Fernsehstube versammelt, jede Scheu zu nehmen. Lechz. Sabber. Grunz. Das alte Leid. Schön, daß Andrea Sawatzki, mit stolzen 47 Lenzen, noch einiges draufzusetzen vermochte, und ihre üppige Oberweite prallst neben dem „Hunzicker-Pärchen“ postierte. Zwar ahnte man – via angedeuteten Faltierungen im Gesicht – den zarten Altersunterschied, aber jetzt mal ehrlich: wer guckt denn da noch auf das Gesicht? In der eben erwähnten Wohnstube, deren Hinterwäldlerinsassen alle Pracht in HD-Qualität bestaunen durften, tat es jedenfalls keiner. „Titten-Competition“, gröhlte der hauseigene Chor, wann immer sich die Gelegenheit ergab.

Wetten gab es auch. Thematisch zum Publikum passend. Es ging um Bier, genauer: um Bierflaschen. Nein, nicht trinken, dass wäre keine Kunst, sonders das sinnbefreite Klettern darüber. Zurecht misslungen. Dann wurden folgerichtig Toiletten am Sitz erkannt. Männer schaffen das natürlich. Weiter, ebenfalls putzig, wurden Labradore nach Geruch und Kopfohrbeißwerkform erkannt. Ging auch gut. Glückwunsch. Auch an die werte Oma.

Danach löste sich die häusliche Konzentration, im Dunst – irgendwo zwischen Eierlikör und Fips Asmussen Witzen, ein wenig auf. Irgendein sportfanatischer Italiener nötigte der Runde kurzzeitig noch etwas Interesse ab, faselte dann irgendwas von schützenswerten Schmetterlingen, worauf die kürzlich aufkeimende Interesse erschrak, und sich wieder verschüchtert dem Eierlikör zuwandte. Die Wette mit dem Kleinbus ging – dem Empfang einer Pizza geschuldet – völlig unter. Auch wurde die Kubikwürfelwette sträflich, wenngleich zufrieden mampfend, ignoriert.

Die Veranstaltung tüddelte insgesamt Schwerlastbefreit vor sich hin. Hape sagte noch kurz „Nein“, zu der freundlichen Show-Übernahme, und Thomas „Brontalhumor“ Gottschalk gab den gedanken- und bedenkenlosen „Geht-Ja-Gar-Nicht-Gag“, anlässlich dieser Libyen-Sache, in Richtung Publikum, zum Besten:

„Das ist nicht das MDR-Ballett. Das hatte heute keine Zeit. Es tanzt auf eine Gedenkveranstaltung von Gaddafi.“

Dann war aber auch Schluss. So wie immer. Irgendwie werde ich es vermissen. Ein wenig.

Wetten?

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