Das Protokoll der Biederkeit!

Wetten dass „Wetten dass…?“ keine 30 Jahre mehr durchhält?

Obwohl. Wartet. Nein! Das Sendungskonzept muss einfach überzeugen. Die heutige Knaller Show hatte mindestens einen grandiosen Mittelpunkt. Äh. Ausschnitt. Das entzückende Dekolleté der Frau Hunzicker war unschlagbar, und gerade dazu befähigt rüpelhaft geneigte Beobachter, zufällig in meiner passiv-aggressiven Fernsehstube versammelt, jede Scheu zu nehmen. Lechz. Sabber. Grunz. Das alte Leid. Schön, daß Andrea Sawatzki, mit stolzen 47 Lenzen, noch einiges draufzusetzen vermochte, und ihre üppige Oberweite prallst neben dem „Hunzicker-Pärchen“ postierte. Zwar ahnte man – via angedeuteten Faltierungen im Gesicht – den zarten Altersunterschied, aber jetzt mal ehrlich: wer guckt denn da noch auf das Gesicht? In der eben erwähnten Wohnstube, deren Hinterwäldlerinsassen alle Pracht in HD-Qualität bestaunen durften, tat es jedenfalls keiner. „Titten-Competition“, gröhlte der hauseigene Chor, wann immer sich die Gelegenheit ergab.

Wetten gab es auch. Thematisch zum Publikum passend. Es ging um Bier, genauer: um Bierflaschen. Nein, nicht trinken, dass wäre keine Kunst, sonders das sinnbefreite Klettern darüber. Zurecht misslungen. Dann wurden folgerichtig Toiletten am Sitz erkannt. Männer schaffen das natürlich. Weiter, ebenfalls putzig, wurden Labradore nach Geruch und Kopfohrbeißwerkform erkannt. Ging auch gut. Glückwunsch. Auch an die werte Oma.

Danach löste sich die häusliche Konzentration, im Dunst – irgendwo zwischen Eierlikör und Fips Asmussen Witzen, ein wenig auf. Irgendein sportfanatischer Italiener nötigte der Runde kurzzeitig noch etwas Interesse ab, faselte dann irgendwas von schützenswerten Schmetterlingen, worauf die kürzlich aufkeimende Interesse erschrak, und sich wieder verschüchtert dem Eierlikör zuwandte. Die Wette mit dem Kleinbus ging – dem Empfang einer Pizza geschuldet – völlig unter. Auch wurde die Kubikwürfelwette sträflich, wenngleich zufrieden mampfend, ignoriert.

Die Veranstaltung tüddelte insgesamt Schwerlastbefreit vor sich hin. Hape sagte noch kurz „Nein“, zu der freundlichen Show-Übernahme, und Thomas „Brontalhumor“ Gottschalk gab den gedanken- und bedenkenlosen „Geht-Ja-Gar-Nicht-Gag“, anlässlich dieser Libyen-Sache, in Richtung Publikum, zum Besten:

„Das ist nicht das MDR-Ballett. Das hatte heute keine Zeit. Es tanzt auf eine Gedenkveranstaltung von Gaddafi.“

Dann war aber auch Schluss. So wie immer. Irgendwie werde ich es vermissen. Ein wenig.

Wetten?

facebook, youtube und tv.

Neulich regte sich der durchschnittliche, von „German Angst“ befallene und dadurch entsetzlich gequälte, deutsche Journalist, und Experte aller Themen rund um das soziale Netzwerkeln im skandalösen Internet, über eine weitere Funktion bei Facebook auf. Mittendrin war unklar, ob es nun um die Funktion selbst, oder um die Tatsache geht, daß Facebook sich herausnimmt einfach so Funktionen freizuschalten. Selbstverständlich haben sich daraufhin alle Social-Media-Experten darin überschlagen, der restlichen Welt eben dieses Thema beizubringen, nur damit alle anderen auch wissen, wovor man sich eigentlich zu fürchten hat. Was natürlich kaum gelang, da Fachwissen und Social-Media-Experten niemals, aber wirklich niemals, zusammenkommen und eben das allen schon längst klar war, weshalb Ihnen auch keiner mehr so richtig zuhörte. Völlig zurecht. Schwämmlein drüber. Für die Leser dieser Zeilen: Die Funktion ist harmlos, alles halb so schlimm, und so könnt ihr sie wieder ausschalten.

Youtube, seinerseits ein Google-Firmchen, hat es aufgegeben sich mit der GEMA freundlich zu einigen. Neuerdings wird man nicht nur darauf hingewiesen warum man den einen oder anderen Clip nicht mehr sehen darf, sondern bekommt dabei auch unaufgefordert Bescheid gestossen, wer der Spielverderber ist: Die GEMA. Sony, BMG und andere Musikfabriken, haben sich dann auch noch zu Wort gemeldet, und finden es ebenfalls total Banane, das der Rechteinhaber der Verlagsrechte (GEMA), sich zu keinem, für Youtube, günstigen Preismodell beraten läßt. Besonders interessant, und das eigentlich Lustige dabei, ist: das sich jetzt die Musikindustrie echauffiert, wie unbeweglich die GEMA in den Zeiten des flotten Internets so ist. Dabei ist es doch die Musikindustrie die seit der Erfindung der MP3-Komprimierung ständig flennt, Zeter und Mordio ruft, und der schlimm herunterladenen Gesellschaft, in der Erfahrung schwindender Umsätze, garstigst entgegentritt. Verdrängung?

Die fetzige Ulknudel Thomas Gottschalk geht, und gab uns noch eine letzte, also eine fast letzte, Show. Die unser dödeliger Frank ausgesprochen lustig fand. Dennoch: Mittels eines gefühlt 15-Jährigen Abschieds, von dem was man mit etwas Alkohol auch schon mal Unterhaltung nennen könnte, wird im Herbst mit ganzen drei Shows der Endreiz aus dem ZDF-Zuschauerhirn gepresst. Dann ist er endlich weg. Der Reiz. Aber nicht unser Tommy G., der uns unverhohlen mit neuen, Langeweile verheißenden, Shows zu drohen weiß. Verdammte Axt. Wie fies.

Noch etwas in eigener Sache: Tatsächlich schicken mir ausgewählte, offenbar dem Irrsinn nahe, Verlage Rezensionsexemplare Ihrer neuen Bücher zu. Was prima ist, denn ich lese gerne. In kürze werde ich dann hier, das eine oder andere Buch vorstellen und gegebenenfalls wärmstens empfehlen. Bis dahin:

Wer ist eigentlich dieser „Dr. Kawashima“?

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